(ha). Die Verbraucherzentrale Hamburg verzeichnet derzeit eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Beratungen zur privaten Krankenversicherung (PKV). Anlass sind teils erhebliche Beitragserhöhungen, über die Privatversicherte in den letzten Wochen von ihren Versicherern informiert wurden. In der Beratungspraxis zeigen sich dabei regelmäßig Fälle mit drastischen Prämienerhöhungen.
„In den vergangenen Tagen haben wir mehrfach Versicherte beraten, deren PKV-Beiträge um mehr als 50 Prozent gestiegen sind“, berichtet Anke Puzicha von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Die Betroffenen müssen dann plötzlich einen dreistelligen Betrag zusätzlich im Monat für ihren Krankenversicherungsschutz aufbringen.“ In einem besonders gravierenden Fall habe sich die PKV-Prämie sogar um 119 Prozent erhöht. Der Rentner muss statt 316,35 Euro seit Januar 692,31 Euro monatlich zahlen. Insbesondere bei älteren Versicherten registriert die Verbraucherzentrale solche hohen Beitragssprünge.
Der Verband der Privaten Krankenversicherung bestätigt einen durchschnittlichen Beitragsanstieg von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die einzelnen Erhöhungen können allerdings deutlich darüber liegen, wie die Beispiele der Verbraucherzentrale Hamburg belegen.
Verbraucherzentrale bittet um Übersendung von Erhöhungsschreiben
Um einen besseren Überblick über Umfang und Ausmaß der aktuellen Beitragserhöhungen zu erhalten, bittet die Patientenberatung der Verbraucherzentrale Hamburg betroffene Privatversicherte, Kopien ihrer Erhöhungsschreiben zur Verfügung zu stellen. Diese können per E-Mail oder postalisch übermittelt werden. Die eingereichten Unterlagen sollen dabei helfen, die Entwicklung der Beiträge besser einzuordnen.
Kostensteigerungen in der PKV häufig weniger beachtet
Während steigende Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung regelmäßig öffentlich diskutiert werden, finden die teils erheblichen Kostensteigerungen in der PKV häufig weniger Beachtung. Doch für viele Betroffene bedeuten sie eine spürbare finanzielle Belastung im Alltag. Steigen die monatlichen Prämien für den Versicherungsschutz um mehrere hundert Euro, müssen Ausgaben an anderer Stelle reduziert oder Rücklagen angegriffen werden. Vor allem ältere Versicherte oder Menschen mit begrenztem Einkommen erleben diese Beitragssprünge laut Puzicha als existenzielle Belastung.
Rund 8,7 Millionen Menschen in Deutschland haben eine private Krankenversicherung. Diese kann von Personen abgeschlossen werden, die nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind. Das sind neben Beamten zum Beispiel Selbstständige und Freiberufler oder Angestellte mit einem höheren Einkommen. „Ein Wechsel von der PKV zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist schwierig, oft sogar unmöglich. Finanzielle Engpässe sind kein Grund für eine Rückkehr“, erläutert Puzicha.
Tarifwechsel schützt nicht vor weiteren Erhöhungen
Auffällig ist, dass sich die Erhöhungen nicht nur auf langjährig bestehende Tarife beschränken. „Mehrere Ratsuchende haben uns berichtet, dass sie selbst nach einem kürzlich erfolgten Wechsel in einen günstigeren Tarif ihres Versicherers nun erneut mit deutlich höheren Prämien konfrontiert sind“, so Puzicha.
Ein Tarifwechsel innerhalb der eigenen Versicherung wird häufig als Mittel zur Beitragsentlastung betrachtet. Die Beratungspraxis in der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt jedoch, dass dies keine dauerhafte Garantie für stabile Beiträge ist. „Auf lange Sicht kann man den steigenden PKV-Beiträgen nicht entkommen“, meint Puzicha.
Verbraucherzentrale rät zu sorgfältiger Prüfung
Angesichts der aktuellen Entwicklung rät die Verbraucherzentrale Hamburg dazu, Beitragserhöhungen in der PKV sorgfältig zu prüfen und nicht vorschnell zu reagieren. Ein Tarifwechsel sollte stets unter Berücksichtigung der Leistungen, Selbstbehalte und der persönlichen Lebenssituation erfolgen. Unabhängige Beratung kann helfen, langfristig nachteilige Entscheidungen zu vermeiden.