(ha). Das Denkmal „Hier + Jetzt“ vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht am Sievekingplatz wurde 1997 von Gloria Friedmann geschaffen und erinnert seitdem an die Opfer der nationalsozialistischen Justiz. Die deutsch-französische Künstlerin schuf das Mahnmal im Auftrag der Justizbehörde und in Zusammenarbeit mit der Kulturbehörde. Auf Initiative der beiden Behörden und der Stadtkuratorin Hamburg wurde das Kunstwerk diesen Sommer umfassend in enger Abstimmung mit der Künstlerin saniert. Heute wurde es im Beisein von Senatorin Anna Gallina, Senator Dr. Carsten Brosda und der Künstlerin Gloria Friedmann im Rahmen einer künstlerischen Intervention des Kunstkollektivs Chto Delat International gemeinsam mit der Stadtkuratorin Joanna Warsza wiedereröffnet.
Anna Gallina, Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz: „Dieser Ort erinnert uns daran, in welche Abgründe die Menschheit geraten kann, wenn aus einem Rechtsstaat ein Unrechtsstaat wird, wenn Gerichte Unrecht sprechen. Er mahnt uns zugleich, dass wir Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat immer wieder aufs Neue gemeinsam verteidigen und stärken müssen. Das ist gerade in diesen Zeiten entscheidend, in denen autoritäre, menschenfeindliche und auch kriegerische Tendenzen immer öfter und immer schamloser aufflammen. Wir müssen uns immer wieder bewusstwerden, was wir an unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung haben.“
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Das Mahnmal „ Hier + Jetzt“ von Gloria Friedmann bewegt immer wieder aufs Neue und ist erschreckend aktuell. Es verdeutlicht seit seiner Einweihung 1997, dass ein Zusammenleben in Vielfalt und Freiheit nur gelingen kann, wenn alle auch so leben wollen und sich entsprechend für eine Gesellschaft einsetzen, in der alle ohne Angst verschieden sein können. Deshalb ist es so wichtig, dass das Kunstwerk durch die vereinten Kräfte der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz, der Behörde für Kultur und Medien, des Bezirks Mitte und Stadtkuratorin instandgesetzt werden konnte und an diesem zentralen Ort ein weithin sichtbares Zeichen gegen Faschismus setzt.“
Joanna Warsza, Stadtkuratorin Hamburg: „Hamburg ist ein Ort, an dem Denkmäler seit den 1980er-Jahren zunehmend zu Gegen-Denkmälern wurden. Die Stadt verfügt über eine bedeutende und dennoch häufig übersehene Sammlung von Gegen-Denkmälern, die sich dem Heroismus verweigern, Verlust anerkennen und eine Verbindung zu gegenwärtigen Ungerechtigkeiten herstellen.
„Hier + Jetzt“ ist eines der verletzlichsten und sensibelsten Beispiele: Verschiedene Pflanzentöpfe spiegeln die Schönheit und die Herausforderungen des Zusammenlebens wider. Zugleich erinnern sie uns Menschen daran, dass wir nicht allein auf diesem Planeten sind.“
Gloria Friedmann, Künstlerin: „Hier + Jetzt ist eine Gedenkstätte, die versucht, das Wissen von den Geschehnissen zwischen 1933 und 1945 wachzuhalten. Dieses Mahnmal dient dem kollektiven Gedächtnis und ist gleichzeitig die Materialisierung des öffentlichen Vergessens.“
Das Denkmal „Hier + Jetzt“ erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Justiz und richtet zugleich den Blick auf die Ungerechtigkeiten unserer Gegenwart. Das Werk mahnt, dass Erinnerung nur dann wirksam bleibt, wenn sie mit dem Gegenwärtigen verbunden wird, mit den sozialen Ungerechtigkeiten und blinden Flecken unserer Zeit.
Im Laufe der Zeit sind Schäden am Kunstwerk entstanden. Die Stadtkuratorin hat bereits im Sommer 2025 eine künstlerische Intervention durch das im Exil arbeitende Künstler:innen-Kollektiv Chto Delat International am Denkmal realisiert. In der Folge wurde es auf gemeinsame Initiative der Hamburger Behörde für Justiz und Verbraucherschutz, der Behörde für Kultur und Medien und Stadtkuratorin Hamburg in den letzten Wochen restauriert. Die Restaurierung wurde in enger Abstimmung mit der Künstlerin Gloria Friedmann von Markus Lohmann koordiniert, dabei wurde unter anderem eine neue Luftaufnahme der Stadt aufgebracht.
Die Wiedereröffnung „Hier + Jetzt“ von Gloria Friedmann ist Teil der Programmreihe Gegen-Denkmäler. Performing the Public Collection of Hamburg von Stadtkuratorin Hamburg Die künstlerischen Interventionen werden in Zusammenarbeit mit der Behörde für Kultur und Medien Hamburg von Restaurierungsmaßnahmen, Pflege und Instandhaltung der entsprechenden Orte begleitet.
