(Service) Industrielle Schutzgehäuse sichern elektrische und elektronische Komponenten zuverlässig gegen Umwelteinflüsse und mechanische Belastungen. Entscheidend für die Funktion sind die passende Materialwahl, die Einhaltung relevanter Normen und die Abstimmung auf den jeweiligen Einsatzbereich.
Industrielle Gehäuse kommen in nahezu allen Branchen zum Einsatz – von der Fabrikautomation über Energie- und Verkehrstechnik bis hin zu Chemieanlagen. Sie schützen Steuerungen, Sensorik, Kommunikations- und Leistungselektronik vor Staub, Feuchtigkeit, Vibration, Hitze oder Chemikalien und tragen damit wesentlich zur Betriebssicherheit und Verfügbarkeit von Anlagen bei.
TL;DR – Das Wichtigste in Kürze
· Industrielle Schutzgehäuse schützen Technik vor Umwelt- und mechanischen Einflüssen und erhöhen die Betriebssicherheit.
· Gängige Materialien sind Aluminium, Stahlblech, Edelstahl und Kunststoffe – jedes mit spezifischen Stärken und Grenzen.
· Zentrale Normen sind Schutzarten nach IP-Code, Schlagfestigkeit nach IK-Code sowie EMV- und Brandschutzanforderungen.
· Die Auswahl orientiert sich am Einsatzbereich: Innenraum, Außenbereich, Hygienebereich, Chemie oder explosionsgefährdete Zonen.
· Eine systematische Anforderungsanalyse reduziert Überdimensionierung, spart Kosten und erleichtert Wartung und Nachrüstungen.
Materialien industrieller Schutzgehäuse
Metallische Gehäuse: Aluminium, Stahl und Edelstahl
Metallische Gehäuse bieten hohe mechanische Stabilität und guten Schutz vor EMV-Einflüssen. Aluminium zeichnet sich durch ein günstiges Verhältnis von Gewicht zu Stabilität und eine gute Korrosionsbeständigkeit aus, insbesondere in beschichteter Ausführung. Stahlblechgehäuse sind robust und wirtschaftlich, benötigen jedoch einen wirksamen Korrosionsschutz. Edelstahl wird vor allem dort eingesetzt, wo hohe Hygieneanforderungen, aggressive Medien oder häufige Reinigung mit Hochdruck und Chemie auftreten, etwa in der Lebensmittel- oder Pharmaindustrie.
Kunststoffgehäuse und Sonderwerkstoffe
Kunststoffgehäuse punkten mit geringem Gewicht, Korrosionsfreiheit und oft attraktiven Kosten, eignen sich jedoch vor allem für weniger extreme mechanische Belastungen. Moderne Kunststoffe können UV-stabilisiert, selbstverlöschend oder chemikalienbeständig ausgeführt werden und sind damit auch im Außenbereich und in bestimmten Prozessumgebungen einsetzbar. Sonderwerkstoffe wie glasfaserverstärkte Kunststoffe oder Verbundmaterialien kommen zum Einsatz, wenn spezielle Anforderungen wie hohe Isolationsfestigkeit, besondere chemische Beständigkeit oder reduzierte Wärmeleitung im Vordergrund stehen.
Normen und Schutzarten im Überblick
IP- und IK-Schutzarten als zentrale Kenngrößen
Die Schutzart nach IP-Code beschreibt den Schutz eines Gehäuses gegen Eindringen von festen Fremdkörpern und Wasser. Typische Anforderungen in der Industrie reichen von IP54 für geschützte Innenräume bis zu IP66 oder höher für raue Außenbedingungen mit Spritz- oder Strahlwasser. Ergänzend bewertet der IK-Code die Schlagfestigkeit des Gehäuses und gibt Aufschluss darüber, wie gut es mechanischen Einwirkungen wie Stößen oder Vandalismus standhält, was insbesondere im öffentlichen Raum oder an exponierten Anlagen von Bedeutung ist.
EMV-, Temperatur- und Brandschutzanforderungen
Neben IP- und IK-Schutz spielen EMV-Eigenschaften, Temperaturbeständigkeit und Brandschutz eine wichtige Rolle. Metallische Gehäuse bieten konstruktionsbedingt gute Abschirmung gegen elektromagnetische Störungen, während Kunststoffgehäuse hierfür spezielle Maßnahmen wie leitfähige Beschichtungen benötigen. Temperaturbereiche müssen an die Umgebung angepasst sein, etwa in Schaltschränken mit hoher Verlustleistung oder in Außenanlagen mit stark schwankenden Temperaturen. Brandschutzklassen und selbstverlöschende Materialien sind relevant, wenn Gehäuse in
sicherheitskritischen Bereichen oder in Gebäuden mit erhöhten Brandschutzanforderungen eingesetzt werden.
Vergleich der wichtigsten Gehäusematerialien
Die folgende Tabelle zeigt eine orientierende Gegenüberstellung gängiger Materialien für industrielle Schutzgehäuse:

Einsatzbereiche und typische Anforderungen
Innenraum, Außenbereich und Hygienebereiche
Im Innenraum stehen meist Schutz vor Staub, Berührung und moderaten mechanischen Belastungen im Vordergrund, weshalb häufig Stahlblech- oder Kunststoffgehäuse mit mittlerer IP-Schutzart eingesetzt werden. Im Außenbereich dominieren Witterungseinflüsse, UV-Strahlung und teilweise starke Temperaturschwankungen, was korrosionsbeständige und dicht ausgeführte Lösungen erfordert, etwa pulverbeschichtete Metall- oder robuste Kunststoffgehäuse. In Hygienebereichen kommen glatte, leicht zu reinigende Oberflächen, totraumarme Konstruktionen und beständige Materialien wie Edelstahl zum Tragen, um Reinigungs- und Desinfektionsprozesse dauerhaft zu tolerieren.
Chemische Industrie, Energie und Verkehrstechnik
In der Chemie- und Prozessindustrie sind Beständigkeit gegen Medien, Dämpfe und teilweise explosionsgefährdete Atmosphären entscheidend, weshalb häufig druckfeste oder eigensichere Gehäusekonzepte mit spezifischen Zulassungen eingesetzt werden. In der Energie- und Verkehrstechnik stehen Langzeitbeständigkeit, Vandalismusschutz und hohe Verfügbarkeit im Fokus, etwa bei Trafostationen, Ladesäulen oder Bahn- und Straßeninfrastruktur. In vielen dieser Anwendungen haben sich hochwertige Aluminiumgehäuse etabliert, weil sie Stabilität, Korrosionsschutz und moderates Gewicht kombinieren und sich gut an kundenspezifische Anforderungen anpassen lassen.
Systematische Auswahl und Planung von Schutzgehäusen
Wichtige Kriterien bei der Gehäuseauswahl
Die Auswahl eines industriellen Schutzgehäuses orientiert sich an einer Reihe technischer und wirtschaftlicher Kriterien. Zu den wichtigsten zählen Umgebungsbedingungen wie Staub, Feuchtigkeit, Temperatur und Chemikalien, die benötigte Schutzart, mechanische Belastungen sowie EMV-Anforderungen. Darüber hinaus spielen verfügbare Einbauräume, Montagekonzepte, Kabel- und Leitungseinführungen, spätere Erweiterbarkeit und Servicefreundlichkeit eine wesentliche Rolle, um sowohl die Inbetriebnahme als auch Wartung und Umbauten effizient zu gestalten.
Praktische Liste: Schritte zur passenden Gehäuselösung
Eine strukturierte Vorgehensweise erleichtert die Auswahl und reduziert Fehlentscheidungen:
1. Umgebungsbedingungen und Einsatzort detailliert erfassen.
2. Erforderliche IP- und IK-Schutzarten sowie EMV- und Brandschutzanforderungen definieren.
3. Geeignete Materialien anhand von Korrosions-, Chemikalien- und Temperaturbeständigkeit eingrenzen.
4. Platzbedarf, Montageart und Anschlusskonzept (Kabeleinführungen, Schnittstellen) festlegen.
5. Zulassungen und Normen (zum Beispiel für Ex-Bereiche oder Bahn-/Gebäudetechnik) prüfen.
6. Möglichkeiten für kundenspezifische Anpassungen, spätere Erweiterungen und Wartungszugang beurteilen.
7. Kosten-Nutzen-Abwägung durchführen und Varianten mit angemessener Sicherheitsreserve auswählen.
Konstruktion und Anpassung von Gehäuselösungen
Mechanische Gestaltung und thermische Aspekte
Bei der Konstruktion industrieller Schutzgehäuse spielen sowohl die mechanische Auslegung als auch das Wärmemanagement eine zentrale Rolle. Wandstärken, Versteifungen und Befestigungspunkte müssen so dimensioniert werden, dass auch unter Vibration, Schockbelastung oder Transportbeanspruchung keine bleibenden Verformungen auftreten. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, wie Einbauten wie Tragschienen, Montagenuten oder Schwenkrahmen integriert werden, ohne die Dichtflächen zu beeinträchtigen. Für die Ableitung von Verlustwärme kommen je nach Aufbau passive Maßnahmen wie Rippen, Lüftungsöffnungen mit entsprechenden Filtern oder wärmeleitende Einbaubleche zum Einsatz. In Anwendungen mit höherer Packungsdichte werden zusätzlich Klimageräte, Lüfter oder Heizelemente vorgesehen, deren Integration sich in einem modular aufgebauten Aluminiumgehäuse besonders flexibel realisieren lässt.
Kundenspezifische Bearbeitung und Integration von Schnittstellen
Industrielle Anwendungen verlangen häufig individuell angepasste Schnittstellen für Steckverbinder, Displays, Bedienfelder oder Kabelverschraubungen. Hersteller bieten daher standardisierte Gehäuseplattformen, die kundenspezifisch durch Fräsungen, Bohrungen, Gewinde oder Pulverbeschichtungen ergänzt werden können. Ein Aluminiumgehäuse lässt sich hier präzise bearbeiten und ermöglicht enge Toleranzen bei Ausschnitten, was die Montage von Dichtungen und Einbauten erleichtert. Zusätzlich werden Optionen wie bedruckte Frontplatten, integrierte Scharniere, Schnellverschlüsse oder spezielle Erdungs- und EMV-Konzepte umgesetzt. So entstehen auf Basis eines standardisierten Aluminiumgehäuse-Baukastens projektspezifische Lösungen, ohne dass komplette Neuentwicklungen erforderlich sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Schutzart (IP-Code) ist für industrielle Gehäuse üblich?
Übliche Schutzarten in der Industrie bewegen sich zwischen IP54 und IP66, abhängig von Staub- und Feuchtigkeitsbelastung. In geschützten Innenräumen reicht oft IP54, während im Außenbereich oder bei Hochdruckreinigung höhere Klassen wie IP65 oder IP66 benötigt werden.
Wann empfiehlt sich Edelstahl statt Aluminium oder Kunststoff?
Edelstahl empfiehlt sich, wenn hohe Hygieneanforderungen, aggressive Reinigungsprozesse oder stark korrosive Medien vorliegen. In weniger kritischen Umgebungen können Aluminium oder geeignete Kunststoffe eine wirtschaftliche Alternative mit ausreichender Beständigkeit darstellen.
Welche Rolle spielt EMV bei der Auswahl eines Schutzgehäuses?
EMV ist wichtig, wenn empfindliche Elektronik vor elektromagnetischen Störungen geschützt oder selbst keine Störungen abstrahlen soll. Metallische Gehäuse bieten hier von Natur aus einen guten Schirm, während Kunststofflösungen zusätzliche Maßnahmen wie leitfähige Beschichtungen oder spezielle EMV-Dichtungen benötigen.
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