(mr). „Was ist denn hier los?“ – das ist wohl die am häufigsten gestellte Frage auf St. Pauli. Plötzlich ist an der Friedrichstraße die Fassade vom historischen Kaiserkeller zu sehen. Auch der berühmte Nachtclub „Tabu“ mit dem goldenen Buddha über dem Eingang ist wieder zum Leben erwacht. Mehrere Handwerker werkeln an verschiedenen Schaufenstern und Geschäften herum und tauschen aktuelle gegen historische Schriftzüge aus. Moderne LED-Lampen werden unkenntlich gemacht, alte Straßenlaternen aufgestellt. Wir befinden uns zurück in den 1960er Jahren. Grund für die Zeitreise auf St. Pauli sind die Filmarbeiten für die neue Beatles-Serie. Ihre Hamburger Allgemeine Rundschau berichtete bereits über die Dreharbeiten in Hamburg. An den Zugängen zur Friedrichstraße stehen mehrere sogenannte Filmblocker und passen auf, dass keine unbefugten Personen die Straßen passieren und womöglich Vandalismus betreiben. Denn die Verwandlung der Friedrichstarße in die Große Freiheit ist sehr kosten- und zeitintensiv.

Aber warum dreht die Filmcrew nicht einfach auf der echten Großen Freheit? Die TV-Crew hat sich nach unseren Informationen die Friedrichstraße als Filmset (Motiv) ausgesucht, weil die Große Freiheit in den 60er-Jahren mit Pflastersteinen versehen war – heute ist sie asphaltiert. Außerdem sind an der Großen Freheit zu viele moderne Leucht-Reklame-Tafeln zu sehen, die nicht in die Zeit passen. „Der Aufwand all dies vernünftig weg zu bekommen wäre einfach zu groß“, sagt ein Insider von der Filmproduktionsfirma. Daher haben sich mehrere Motivaufnahmeleiter verschiedene Straßen auf St. Pauli angeschaut und sind zum Entschluss gekommen, die Friedrichstarße als Große Freiheit zu verwandeln.
In Anwohnerschreiben heißt es wörtlich:“Wir drehen aktuell in Hamburg im Auftrag von BBC und ZDF eine sechsteilige Serie über die Beatles und ihre Zeit in Hamburg in den Jahren 1960 bis 1961. Viele der Drehorte, wie die damaligen Clubs, werden an verschiedenen Orten auf St. Pauli wiederhergestellt, sowie Wohnorte der Beatles zum Teil in Liverpool und Hamburg. Um authentisch zeigen zu können, wie die damals noch Fünf sich durch den Kiez bewegt haben, haben wir diverse Straßen und Gebäude ausgetauscht, an denen wir die Beatles bei ihren nächtlichen Streifzügen zeigen möchten.“

kurzerhand zur Großen Freiheit.
Aber nicht nur die Friedrichstraße selbst dient als Filmkulisse. Das Filmset erstreckt sich von der Eckkneipe „Silbersack“ über die Queerstraße und den Hans-Albes-Platz bis zur Davidstraße. Mehrere Oldtimer hat die TV-Crew auf der Friedrichstraße drapiert. Die Große Freiheit war in den 60er Jahren auch für den Autoverkehr frei, wie alte Fotos belegen. Auch das „Tabu“ mit dem goldenen Buddha über dem Eingang, das „Casanova Tanzcarabet“ und die „Bikini-Striptease-Bar“ erwachen als Filmkulisse wieder zum Leben.

Passanten, die das Partyvolk auf der Großen Freiheit
darstellen.
An der Queerstraße hat die TV-Crew das „Indra“ nachgebaut. Dazu wurde die Fassade ziemlich originalgetreu nachgebaut, große Werbeplakate angebracht. Während der Dreharbeiten wurden jeweils an den Zugängen zur Queerstraße meterhohe Screens in grün aufgebaut. So kann die Filmcrew mühelos später im Schnitt historische Aufnahmen hineinmischen. Sie dienen zudem – als Nebeneffekt – als Sichtschutz. So bleiben keine neugierigen Passanten am Filmset stehen und stören womöglich die Aufnahmen. Viele würden ihre Handys herausholen und Videos und Fotos von den Drehrabeiten machen. In einer sechsteiligen Serie, die in den 1960er Jahren spielt, undenkbar! Damit das alles später nicht zu sehen ist, stehen an den Zugäöngen große Scrrens.


Fotografen der Hamburger Allgemeinen
Rundchau, der durch einen kleinen Spalt an
der großen Screen-Wand hindurchfotografiert.



Ein weiterer Drehort: eine Location an der Reeperbahn. Hier macht das TV-Team Filmarbeiten, die im Kaiserkeller spielen. Dazu wurde der historische Kaiserkeller, der sich in der Realität an der Großen Freiheit befindet, nachgebaut. Während an der Reeperbahn die zahlreichen Technik-Lkw parken, werden Schauspieler und Komparsen sowie die Filmcrew über einen Hintereingang an der Seilerstraße ins Innere des Gebäudes gebracht.
Ein Großteil der Filmcrew befindet sich übrigens auf dem Heiligengeistfeld. Dort wurde eine kleine Filmstadt aufgebaut: mehrere Zelte, Aufenthalts- und Maskenmobile stehen dort in einem eingezäunten Bereich. Die Filmcrew, Schauspieler und Komparsen und sonstige Beteiligte wird vom Heiligengeistfeld zu den jeweiligen Drehorten an der Friedrichstarße, Queerstraße oder der Seilerstraße mit Shuttlebussen gebracht.

