Gute Leistung von Schulen und Jugendberufsagentur

Die Jugendberufsagentur am Standort Norderstraße in Hamburg. Symbolfoto: FoTe-Press

(ha). Obwohl das Angebot an Ausbildungsplätzen zurückgegangen ist, haben insgesamt mehr junge Menschen den Weg in die Berufsausbildung gefunden: Die Übergangszahlen in Ausbildung sind zusammengerechnet in allen Bildungsgängen – nach Jahrgang 10, nach der Dualisierten Ausbildungsvorbereitung (AvDual) und nach der Ausbildungsvorbereitung für Migranten (AvM-Dual) – um 185 junge Menschen angestiegen. Das teilt die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) in einer Pressemitteilung mit.

Besonders im Bereich Betriebliche Ausbildung ist dieser Anstieg mit einem Plus von 128 deutlich. Durch gezielte Maßnahmen in Jahrgang 11 konnte bei AvDual und AvM-Dual trotz des angespannten Ausbildungsmarktes die Integration junger Menschen in Ausbildung gelingen. Demgegenüber sind die Übergangszahlen jüngerer Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach Jahrgang 10 aufgrund der Veränderungen am Ausbildungsmarkt in diesem Jahr prozentual und absolut zurückgegangen.

Bildungssenatorin Ksenija Bekeris: „Mehr Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach Klasse 10, weniger Ausbildungsplätze und eine schwierige wirtschaftliche Lage – vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass insgesamt 185 junge Menschen mehr in eine Ausbildung gekommen sind. Besonders freue ich mich, dass die Ausbildungsvorbereitung für Migrantinnen und Migranten so stark ist. Mit den rund 250 dualen und schulischen Ausbildungsberufen in Hamburg ist die Berufsausbildung einer der ganz zentralen und zukunftsweisenden Wege für junge Menschen in den Beruf. Und damit das auch so bleibt, appelliere ich an alle Betriebe in Hamburg, verstärkt Ausbildungs- und Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen.“

Im vergangenen Jahr haben 982 AvM-Dual-Absolventinnen und -Absolventen ihre Ausbildungsvorbereitung erfolgreich abgeschlossen. Das ist ein leichtes Plus im Vergleich zu 2024. Genau einem Drittel von ihnen gelang es, direkt im Anschluss mit einer Berufsausbildung zu beginnen.

Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit: „Hamburger Unternehmen meldeten der Agentur für Arbeit Hamburg im zurückliegenden Ausbildungsjahr trotz der weiterhin angespannten Wirtschaftslage über 10.200 Ausbildungsstellen. Im Ergebnis bedeutet dies einen Rückgang von 400 Stellen, reicht aber fast an die beiden Vorjahre heran. Positiv gestaltete sich demgegenüber die anhaltend hohe Nachfrage nach einer dualen Ausbildung. Ende September 2025 zählten wir insgesamt 8.077 Ausbildungsplatzbewerbende bei uns in der Beratung und Ausbildungsvermittlung. Das sind 1.039 oder knapp 15 Prozent mehr als zum Vorjahr. Gleichwohl bleibt ein Wehmutstropfen: Rund 950 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt und 1.400 Ausbildungsplatzsuchende ohne Vertrag. Die Gründe dafür sind vielfältig und betreffen alle Schülerinnen und Schüler aller Abschlüsse gleichermaßen. In Zusammenarbeit mit den Partnerinnen und Partnern der Jugendberufsagentur Hamburg (JBA) unterstützen wir weiterhin die jungen Menschen durch Berufsorientierung an Schulen, mit Beratung und Bewerbungstraining in der JBA sowie mit Ausbildungsplatz-Börsen und ganzjährigen Veranstaltungsreihen zur Berufs- und Studienorientierung im Berufsinformationszentrum BiZ. Unser Ziel ist, dass sie einen passenden Ausbildungsplatz finden und eine gute berufliche Perspektive haben.“

Zu den gewählten Berufskategorien

Die von den Schulabgängerinnen und Schulabgängern gewählten Berufskategorien werden wie im Vorjahr angeführt von den Kategorien „Handwerk, Industrie und Technik“ und „Gesundheitswesen, Pflege und Pharmazie“. Die Kategorie „Bildung, Kultur und Verwaltung“ ist immer noch auf Platz drei, aber im aktuellen Schuljahr mit knapp zwölf Prozent etwas weniger stark vertreten als im Vorjahr. Die Kategorie „Dienstleistung, Handel und Vertrieb“ ist nur noch halb so oft vertreten wie im Vorjahr (minus sechs Prozentpunkte).

Der Beruf „Sozialpädagogische/r Assistent/in“ ist bei den Hamburger Schulabgängerinnen und Schulabgängern nach Klasse 10, AvDual und AvM-Dual weiterhin der beliebteste (438), gefolgt von „Medizinischer Fachangestellter/Medizinische Fachangestellte“ (209). Im Vorjahr war „Verkäufer/Verkäuferin“ mit 201 auf Platz zwei, im aktuellen Schuljahr ist dieser Beruf mit 170 auf Platz drei zurückgefallen.

Insgesamt zeigt sich, dass die klassischen Ausbildungsberufe im sozialen und medizinischen Bereich weiterhin sehr gefragt sind, während technische und handwerkliche Berufe stabil bleiben. Die Ausbildung für Dienstleistungsberufe wird hingegen nicht mehr so stark angestrebt.

Übergangsquote langfristig stark

Noch 2012 betrug die Übergangsquote nach Klasse 10 der Stadtteilschulen in eine Ausbildung nur etwa 25 Prozent. Dank der engen Zusammenarbeit von allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen mit der Jugendberufsagentur in der Berufsorientierung und im Übergangsmanagement stieg die Quote. Aktuell steht sie bei 39 Prozent – ein leichter Rückgang nach 42,8 Prozent im Vorjahr, aber langfristig gesehen auf einem weiter starken Niveau.

Eine Erklärung für den leichten Rückgang: Insgesamt ist die Anzahl der Hamburger Schulabgängerinnen und Schulabgängern nach Jahrgang 10 (von Stadtteilschulen, Regionalen Bildungs- und Beratungszentren und Privatschulen), AvDual und AvM-Dual gestiegen und trifft auf einen angespannteren Ausbildungsmarkt: Nach aktuellen Zahlen der Hamburger Agentur für Arbeit ist ein leichter Rückgang des Stellenangebots (minus 3,8 Prozent) feststellbar.

Die intensive Praxisbegleitung und Dualisierung der Lernorte mit den Betrieben wirken. Dies zeigt sich in den Übergangszahlen aus AvDual und AvM-Dual, die weiterhin steigen. Besonders hervorzuheben ist die erneute Steigerung der Übergänge in Ausbildung aus AvM-Dual um 92 Schüler:innen.

Mehr Schulabgängerinnen und Schulabgängern

Im allgemeinbildenden System gingen zuletzt 213 Schülerinnen und Schülern mehr ab als im Schuljahr 2023/24. Das ist ein Anstieg um 4,17 Prozent. Der Großteil dieser Schülerinnen und Schüler ist in die Ausbildungsvorbereitung (AvDual, AvM-Dual, Produktionsschulen) übergegangen.

Im berufsbildenden System gingen aus AvDual 236 und aus AvM-Dual 92 Schülerinnen und Schüler mehr ab als im Vorjahr. Bei AvDual ist das ein Anstieg der Abgängerinnen und Abgänger um mehr als elf Prozent und bei AvM-Dual um fast 12 Prozent.

Hamburger Übergangsmanagement – Ein Erfolgsmodell

Das Übergangsmanagement in Hamburg wird seit mehr als einem Jahrzehnt stetig weiterentwickelt und an die sich wandelnden Bedarfe der jungen Menschen angepasst. Inzwischen gilt es als Vorzeigemodell im Bundesvergleich. Es funktioniert auch deswegen so gut, weil es entwicklungs- und prozessorientiert maßgeschneiderte Maßnahmen an unterschiedlichsten Punkten im Leben der jungen Menschen anbietet.

  • Im Schulfach „Berufliche Orientierung“ lernen die Jugendlichen an den Stadtteilschulen zwischen Klasse 8 und 10 ihre Interessen und Stärken kennen, Bewerbungen zu schreiben, sich auf dem Ausbildungsmarkt zu orientieren und sie erproben sich in betrieblichen Praktika. Unterstützt wird das Fach durch Berufsberatungen in Kooperation mit der Jugendberufsagentur.
  • Zusätzlich gibt es seit dem Schuljahr 2020/21 Praxisklassen in der Jahrgangsstufe 10, in denen die Schülerinnen und Schüler berufliche Erfahrungen durch das Lernen in Schule und Betrieb sammeln und dabei durch Mentorinnen und Mentoren der Berufseinstiegsbegleitung unterstützt werden.
  • Die Schulen und die Mitarbeitenden der Jugendberufsagentur begleiten Schulabgängerinnen und -abgänger eng und analysieren den Verbleib aller Jugendlichen nach Klasse 10 sorgfältig. So geht niemand verloren, denn jede und jeder wird gebraucht. Diese Erhebungen finden seit 2012 statt und sind ein enormer Aufwand, der sich lohnt: Lediglich bei fünf Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 ist der Verbleib in diesem Jahr ungesichert und wird im Rahmen von Absentismusverfahren weiter geprüft. Das ist eine große Leistung aller Beteiligten, insbesondere in den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen sowie der Netzwerkstelle der JBA.
  • Wer direkt nach Klasse 10 noch keinen Ausbildungsvertrag abschließen konnte, orientiert sich in der Ausbildungsvorbereitung (AvDual, AvM-Dual, Produktionsschulen) beruflich und wird auf dem Weg in den Beruf eng begleitet. So gelingt spätestens ein Jahr nach Verlassen der allgemeinbildenden Schulen rund zwei Drittel aller Jugendlichen der Einstieg in die Berufsausbildung.

Die wichtigsten Zahlen der Abgängerinnen und Abgänger aus den Hamburger Stadtteilschulen in der Übersicht

Verbleibe 2025 der Schulabgänger der Stadtteilschulen nach Kl. 10absolutAnteil Prozent
Ausbildung(betriebliche, schulische, außerbetriebliche Ausbildung Berufsqualifizierung)1.89539 Prozent
Ausbildungsvorbereitung(AvDual, AvM-Dual und Produktionsschulen)2.34948,3 Prozent
Weitere Verbleibe(Bspw. Freiwilliges Soziales Jahr, Auslandsaufenthalt, Bundeswehr, Bundesfreiwilligendienst, Berufsvorbereitungsmaßnahmen und Ähnliches)61512,6 Prozent
Ungesicherter Verbleib(Absentismusverfahren eingeleitet)50,1 Prozent
Schulabgängerinnen und -abgänger nach Klasse 10 der Stadtteilschulen gesamt4.864100 Prozent

Quelle: Hamburger Institut für Berufliche Bildung; Stand 30. September 2025


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