(ha). Der Hamburger Senat brüstet sich gerne als umweltfreundliche Stadt, in der Naturschutz groß geschrieben wird. Aber ist es wirklich so? Kurz vor Ende der diesjährigen Baumfällsaison befürchtet der NABU, dass eine erste Teilfläche von 790 Quadratmetern des „Wilden Waldes“ gefällt werden soll und damit Fakten geschaffen werden. Heute wurden dort bereits bauvorbereitende Maßnahmen getroffen und alle Anzeichen von vor Ort deuten darauf hin, dass die Rodung morgen beginnen soll. Gegen die Rodungsgenehmigung hatte der NABU bereits am 13. Februar Widerspruch eingelegt, der allerdings keine aufschiebende Wirkung hat. Um die drohende Rodung zu verhindern, hat der NABU heute (am 23.2.) einen Eilantrag beim Hamburger Verwaltungsgericht gestellt. So kann eine einstweilige Verfügung erwirkt werden.
„Dass jetzt so kurz vor Ende der Baumfällsaison noch gerodet werden soll, ist wirklich ein Unding. Die Hamburger Regierungsparteien werben in ihren Programmen mit aktivem Klimaschutz, doch die geplante Rodung steht dazu in klarem Widerspruch. Im neuen Koalitionsvertrag heißt es stattdessen, die entsprechenden Bebauungspläne für das Spreehafenviertel sollen zügig vorangetrieben werden. Gelebter Klimaschutz sieht anders aus. In Zeiten von Klimakrise und Biodiversitätsschwund ist es unverantwortlich und unzeitgemäß, Wälder als Kohlenstoffsenken und vielfältige Lebensräume zu Gunsten von Wohnungsbau- oder Infrastrukturvorhaben in Anspruch zu nehmen“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg.
„Der Wald bietet im dicht besiedelten Reiherstiegviertel einen unersetzbaren Rückzugsort für Mensch und Natur. Der Wald ist die letzte naturnahe Fläche im Wilhelmsburger Norden und eine der letzten naturnahen Inseln in Wilhelmsburg, nachdem im Zuge der Internationalen Gartenschau weite Teile ehemals naturnaher Flächen in Parkanlagen überführt und Naturbestand durch weitere andere Bauvorhaben beansprucht wurden“, sagt Frederik Schawaller, aus dem Leitungsteam der ehrenamtlichen NABU-Gruppe Süd.
Hintergrund:
Der „Wilde Wald“ in Wilhelmsburg ist ein seit über 60 Jahren natürlich aufgewachsener Wald und wird laut Hamburger Biotopkartierung als ökologisch wertvoll eingestuft. Für die Entwicklung des sogenannten „Spreehafenviertels“ soll fast der gesamte neun Hektar große Wald gefällt werden. Das Spreehafenviertel befindet sich zwar noch in der Planung, aber am 12. Februar hat das Bezirksamt Hamburg-Mitte die Genehmigung für eine erste Teilrodung erteilt. Dabei geht es um eine Fläche von 790 Quadratmetern, die die Stadt einem angrenzenden Bauunternehmen im Tausch gegen ein kleineres Stück ihres Firmengeländes angeboten hat. Die Rechtsgrundlage hierfür ist ein alter Bebauungsplan aus den 1960er Jahren, also bevor der Wald überhaupt entstand.
Das Bündnis WiWa bleibt! ruft ab 7 Uhr morgens zum Proteste vor Ort auf. Das Bündnis aus Anwohner*innen und Umweltschützer*innen fordert den sofortigen Stopp der Rodungsarbeiten und versucht, die Maßnahmen per Eilantrag vor Gericht zu stoppen. Mitte Februar war bekannt geworden,
dass die Genehmigung für die Teilrodung erteilt worden war. Dagegen hatte der NABU umgehend Widerspruch eingelegt, auf den die zuständigen Stellen der Hansestadt, LIG und Bezirksamt Mitte, bisher nicht reagierten. Jetzt soll ein Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht die begonnenen Arbeiten stoppen.
Knapp 800 Quadratmeter des Waldes sollen gerodet werden, um das Betriebsgelände der Baufirma BM-Bau zu erweitern, die an der Schlenzigstraße am Waldrand ansässig ist. Das Bündnis WiWaBleibt! setzt sich seit Jahren für den vollständigen Erhalt des Waldes ein. Auch die Umwelt- und Naturschutzverbände betonen, dass bereits eine Teilrodung gravierende Auswirkungen auf das Biotop haben werde und nicht zu verantworten sei. „Die Rodung der Teilfläche des Wilden Waldes in Wilhelmburg ist konsequent abzulehnen.“ schreibt die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Hamburg im August 2025 in ihrer Stellungnahme zum betreffenden Rodungsantrag.
Das Bündnis sieht in den aktuellen Rodungsmaßnahmen auch einen Vorgriff auf das sog. Spreehafenviertel, das auf dem Gebiet des Wilden Waldes geplant wird. Dafür würde der gesamte Wald vernichtet werden, der Bebauungsplan ist jedoch noch nicht final verabschiedet. „Wir befürchten, dass hier Tatsachen geschaffen werden, bevor der Bebauungsplan für das Spreehafenviertel überhaupt beschlossen ist“, erklärt Andrea Wissing.
