60 emissionsfreie Busse fĂŒr 2019 und 2020 geplant

Die 1911 gegrĂŒndete Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) befördert mit ihrem eigenen Fahrzeugpark aus mehr als 250 U-Bahnen und 800 Bussen ĂŒber 1,2 Millionen FahrgĂ€ste tĂ€glich. Dabei bedient die Hochbahn als einer von 34 Partnern im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) ĂŒber 1.400 Haltestellen und ist das grĂ¶ĂŸte Verkehrsunternehmen im HVV-Einsatzgebiet. Rund 5.000 Mitarbeiter arbeiten in dem Unternehmen rund um die Uhr fĂŒr einen öffentlichen Personennahverkehr und bequeme, zukunftsorientierte MobilitĂ€t in Hamburg. Foto: ha/Hochbahn

(ha). Die Testphase ist vorbei – nun beginnt der Umstieg auf den emissionsfreien Nahverkehr in Hamburg. Bereits Anfang 2019 sollen die ersten serienreifen emissionsfreien Elektrobusse zur Hochbahn kommen, teilt das Unternehmen mit. Dazu wurde jetzt eine europaweite Ausschreibung von 60 emissionsfreien 12-Meter-Bussen fĂŒr 2019 und 2020 gestartet. Damit geht die Hochbahn schon ein Jahr frĂŒher als geplant in die Umsetzung, die Vorgabe des Hamburger Senats zu erfĂŒllen. Diese sieht die verpflichtende Anschaffung emissionsfreier Busse ab 2020 vor. LĂ€uft alles planmĂ€ĂŸig, kann das Ziel des emissionsfreien Busverkehrs durch den sukzessiven Austausch der etwa 1.000 Dieselbusse zĂ€hlende Flotte im Hochbahn-Konzern durch Elektrobusse bis Anfang der 1930er Jahre erreicht werden. Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn: „In den vergangenen Jahren haben wir sehr viele Erfahrungen mit innovativen Antrieben gesammelt. Vor allem die Erkenntnisse aus der Innovationslinie 109 haben uns enorm weiter gebracht. Jetzt geht es darum, sukzessive unsere Flotte umzustellen. Wir sind sehr glĂŒcklich, dass neben Hamburg auch andere StĂ€dte mitziehen. Denn damit wird der Markt fĂŒr Fahrzeughersteller deutlich grĂ¶ĂŸer und damit attraktiver.“ Vor einem Jahr hatten der Erste BĂŒrgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, und sein Amtskollege Michael MĂŒller, Regierender BĂŒrgermeister von Berlin, den Startschuss fĂŒr eine gemeinsame Beschaffungsinitiative fĂŒr emissionsfreie Linienbusse im öffentlichen Nahverkehr gegeben. Berlin und Hamburg sind nicht nur die einwohnerstĂ€rksten StĂ€dte Deutschlands, sondern betreiben mit ihren drei Unternehmen (BVG in Berlin und Hochbahn sowie VHH in Hamburg) auch die grĂ¶ĂŸten deutschen Busflotten: ĂŒber 340 Buslinien mit knapp 3 000 Bussen und ĂŒber 740 Millionen FahrgĂ€ste pro Jahr. Damit gehören die beiden StĂ€dte zu den grĂ¶ĂŸten Abnehmern von Linienbussen in Europa – mit einem entsprechenden Investitionsbudget. Mittlerweise sind Verkehrsunternehmen aus fĂŒnf deutschen GroßstĂ€dten der Beschaffungsinitiative beigetreten: MĂŒnchen (MVG), DĂŒsseldorf (Rheinbahn), Köln (KVG), Stuttgart (SSB) und Darmstadt (HEAG). Weitere StĂ€dte haben ihr Interesse signalisiert.
Mit der Beschaffungsinitiative rĂŒckt der bundesweite Umstieg auf einen umweltfreundlichen Elektroantrieb im Nahverkehr in den deutschen GroßstĂ€dten deutlich nĂ€her. Die Verkehrsunternehmen arbeiten im Rahmen der Initiative eng zusammen, um gemeinsame Standards in der Fahrzeugtechnologie der neuen Busgeneration festzulegen. Über die gemeinsamen Standards sollen den Herstellern Anreize gegeben werden, serienreife Fahrzeuge zu wettbewerbsfĂ€higen Konditionen an den Markt zu bringen. Henrik Falk: „Wir sind jetzt einen Riesenschritt weiter. Mit der Standardisierung der Fahrzeugtechnologie schaffen wir die Grundlage fĂŒr einen funktionierenden Markt fĂŒr Elektrobusse. Wir benötigen Fahrzeuge, die in punkto VerlĂ€sslichkeit, VerfĂŒgbarkeit und Anschaffungskosten mit einem konventionellen Dieselbus mithalten können. Dann steht der konsequenten UmrĂŒstung der Busflotten nichts mehr im Wege. Der öffentliche Nahverkehr beweist damit einmal mehr, dass er Trendsetter fĂŒr ökologische urbane MobilitĂ€t ist.“ In der aktuellen Ausschreibung der HOCHBAHN sind Mindeststandards gesetzt, die die neuen Elektrobusse erreichen mĂŒssen. Hierzu gehören unter anderem eine ausreichende VerfĂŒgbarkeit und eine Reichweite von mindestens 150 Kilometer. In der Ausschreibung sind in einem so genannten „Lastenheft“ die Komponenten fĂŒr die neue Fahrzeugtechnologie festgelegt. FĂŒr die Erstellung des Lastenheftes war unter anderem der Austausch unter den Partnern der Beschaffungsinitiative wichtig. Es bietet nun die Basis fĂŒr weitere Ausschreibungen auch in den anderen StĂ€dten.
Neben der Anschaffung der Fahrzeuge gehört die Umstellung der kompletten Infrastruktur zu den Herausforderungen fĂŒr die Verkehrsunternehmen. Die Betriebshöfe mĂŒssen mit Ladeinfrastruktur und ausreichender Stromversorgung ausgerĂŒstet werden. Hinzu kommen neue IT-Systeme fĂŒr die FahrzeugĂŒberwachung und Betriebssteuerung sowie umfangreiche Qualifizierungsprogramme fĂŒr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unternehmen. „Wir werden beispielsweise eine komplett neue Software fĂŒr die Steuerung der Betriebshöfe und zur Koordination der Flotte durch die Leitstelle einsetzen und dabei alle Chancen konsequent nutzen, die uns die Digitalisierung bietet“, betonte Hochbahn-Chef Henrik Falk. Anfang 2019 soll der neue Hochbahn-Busbetriebshof in Alsterdorf in Betrieb gehen. Dieser wird in den darauffolgenden Jahren 240 emissionsfrei angetriebene Elektrobusse aufnehmen. 70 Millionen Euro Investitionen sind fĂŒr den Bau veranschlagt. Gleichzeitig beginnt der Umbau der Infrastruktur (unter anderem Stromversorgung, Ladetechnik, WerkstĂ€tten) auf allen weiteren Busbetriebshöfen in Harburg, Langenfelde, HummelsbĂŒttel, Wandsbek und Billbrook.