Auf den Spuren der gefälschten Hitler-Tagebücher

Schauspieler Lars Eidinger geht am Ufer der Binnenalster entlang. Links im Bild eine historische Straßenlampe, davor zu sehen: Pkw aus den 1980er Jahren. Fotos: FoTe Press

(mr/ha). Der Neue Jungfernstieg am Abend des 29. April 2021: historische Straßenlaternen leuchten, am Straßenrand parken Fahrzeuge aus den 80er Jahren und moderne Parkticketautomaten sind von einer Litfaßsäule verdeckt. Ein Teilbereich des Neuen Jungfernstiegs ist in die 80er Jahre zurückversetzt worden. Grund: ein geheimer Dreh direkt an der Binnenalster vor den Türen des Hotels “Vier Jahreszeiten”. Die Filmcrew hüllt sich in Schweigen, als Passanten danach fragen, was denn hier gedreht wird. Komparsen machen Selfies – schließlich tragen sie Hosen, Jacken und Mützen aus den 80er Jahren. Aber: Fotografieren ist hier strengstens verboten. Auch als unser Fotograf am Set auffliegt, weil er gerade den Regiestuhl mit dem Schriftzug Tobi Baumann fotografiert, kommt sofort ein Aufnahmeleiter angerannt. Zu diesem Zeitpunkt war der Bereich noch nicht durch Filmblocker abgesperrt, so dass der Aufnahmeleiter lediglich eine Bitte an den Fotografen richten konnte, den Bereich zu verlassen. Aber dieser Bitte ist er natürlich nachgekommen. Was wurde denn nun gedreht?

Schauspieler Lars Eidinger.


Ihre Hamburger Allgemeine Rundschau hat es heraus bekommen: “Faking Hitler” (Arbeitstitel). In der Serie (soll bei TV Now ausgestrahlt werden) geht es um einen der bekanntesten Medienskandale der Bundesrepublik. Das Magazin “Stern” mit Sitz in Hamburg veröffentlichte im April 1983 vermeintliche Tagebücher von Adolf Hitler, die sich nur wenige Tage später als Fälschung herausstellten. Im Februar 2021 kündigten RTL und der zur Sendergruppe gehörende Streamingdienst TV Now an, nun eine sechsteilige Serie mit dem Titel „Faking Hitler“ produzieren zu wollen. Vor wenigen Tagen ist die erste Filmklappe in Düsseldorf gefallen, nunmehr dreht das Filmteam in Hamburg.

Der Regiestuhl von Tobi Baumann.

“Faking Hitler” soll aus sechs Teilen bestehen. In den Hauptrollen stehen Moritz Bleibtreu, Lars Eidinger und Ulrich Tukur vor der Kamera. Im Zentrum des Vorgangs stehen der Fälscher Konrad Kujau (Bleibtreu) und der Reporter Gerd Heidemann (Lars Eidinger), der für das Magazin “Stern” die gefälschten Tagebücher kaufte und schließlich für deren Veröffentlichung im April 1983 sorgte.
Wie TV Now mitteilt, sollen diese realen Vorgänge in dem Mehrteiler um die fiktive Geschichte der Jungredakteurin Elisabeth Stölzl (gespielt von Sinje Irslinger) erweitert werden. Sie wird von dem jüdischen Nazi-Jäger Leo Gold (Daniel Donskoy) mit der NS-Vergangenheit ihres Vaters (Ulrich Tukur) erpresst. Schließlich wollen die beiden gemeinsam die Veröffentlichung der Tagebücher verhindern…
“Faking Hitler” ist eine Produktion der UFA Fiction für TV Now unter dem Dach der Bertelsmann Content Alliance. Der Titel ist angelehnt an den preisgekrönten Podcast “Faking Hitler – die wahre Geschichte der Hitler-Tagebücher” des “Stern”, der den Fall anhand von Original-Tonbandaufnahmen journalistisch aufarbeitet. Die Serie ist Teil der Genre-übergreifenden Fiction-Offensive von TV Now – in Zusammenarbeit mit RTL. Produzenten sind Tommy Wosch (Showrunner) und Markus Brunnemann, Producerinnen sind Viola-Franziska Bloess und Luisa Laute. Regie führen Wolfgang Groos und Tobi Baumann nach Drehbüchern von Tommy Wosch, Annika Cizek und Dominik Moser. Für die Kamera zeichnet Ahmet Tan und Philipp Kirsamer verantwortlich. Die Redaktion liegt bei Brigitte Kohnert und Manuel Schlegel unter der Leitung von Frauke Neeb und Hauke Bartel, Bereichsleitung Fiction Mediengruppe RTL Deutschland. Neben Düsseldorf sind weitere Drehtage unter anderem im gesamten Raum NRW und Hamburg geplant. Das Projekt wird gefördert durch die Film- und Medienstiftung NRW.

Das Hotel “Vier Jahreszeiten”.

Das Filmteam machte am 29. April auch Aufnahmen in den Hamburger Stadtteilen Othmarschen und St. Pauli an den Landungsbrücken.


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