Schrecksekunde beim CSD: Zwei PKW kommen der Parade sehr nahe

Diese beiden PKW kamen der CSD-Parade sehr nahe. Glücklichweise stoppten sie beim Anbklick der schwerbewaffneten Polizisten der BFE Hamburg und drehten um! Foto: FoTe Press

(mr). Was war denn da los? Die CSD-Parade war gerade ingange, da kamen plötzlich – wie aus dem Nichts – zeitgleich zwei Autos die Sechslingspforte entlang gefahren. Und zwar in Richtung der CSD-Parade. Zwar stand ein Zivilwagen der Hamburger Polizei auf dem rechten der beiden Fahrstreifen und versperrte somit die Weg. Allerdings war der linke Fahrstreifen theoretisch befahrbar. Sofort ging ein mit einer Maschinenpistole bewaffneter Hamburger Polizist der Beweis- und Festnahmeeinheit (BFE) auf die Fahrbahn und hob seinen Arm. Auf diese Weise signailierte er, dass die beiden Autos sofort stoppen und umdrehen sollen. Glücklicherweise taten beide Autofahrer dies auch.

Dieser Polizist der BFE hat die Sechslingspforte im Auge. Er
blickt in Richtung Außenalster, während etwa 300.000
Teilnehmer der CSD-Parade hinterrücks an ihm vorbeiziehen.

Die Teilmerinnen und Teilnehmer der CSD-Parade waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Dennoch fragte unser Reporter, der diesen Zwischenfall zusammen mit weiteren Passanten mitbekommen hat, einen Polizisten vor Ort, wie das sein kann, dass sich zwei Autos der Parade überhaupt nähern können. „Ich gehe davon aus, dass die Autos aus einer Seitenstraße gekommen sind. Das ist die einzige Erklärung. Denn ganz unten an der Alster sind Kräfte von uns. Aber wir haben alles auf dem Schirm!“

Die beiden Fahrzeuge stoppten, wendeten und fuhren entegegen der eigentlich erlaubten Fahrtrichtung zurück Richtung Außenalster. Aufatmen bei Passanten, die von dem Vorfall mitbekommen haben.

Während auf der Sechslingspforte Kräfte der Hamburger BFE bereit standen und ständig ihre Maschinenpistolen griffbereit hatten, sicherten Kräfte der BFE Niedersachen die gegenüberliegende Wallstraße ab. Dort standen mindestens sechs Beamte rund um einen Halbgruppenwagen der Landespolizei Niedersachsen mit Kennzeichen GÖ (Göttingen). Zudem standen auf dieser Seite mehrere Funkstreifenwagen und Halbgruppenwagen der Hamburger Polizei quer. Auch Fahrzeuge der Hamburger Stadtreinigung versperrten die Straße. Entlang der Route kamen Betonpoller sowie Lastwagen, die als Barrieren auf den Straßen standen und bei Rettungseinsätzen schnell zur Seite gefahren werden konnten, hinzu. Konkrete Gefährdungshinweise für den CSD hatten den Sicherheitsbehörden bis zuletzt nicht vorgelegen.

Beim diesjährigen CSD in Berlin war ein Autofahrer im Berliner Tiergarten nahe des Festivalgeländes des CSD mit einem Transporter in eine Menschenmenge gefahren. Anschließend ging der Täter nach ersten Ermittlungen mit einer Hieb- oder Stichwaffe, mutmaßlich einer Machete, auf weitere Passanten los. Eine Frau starb, 29 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Alle Personen sind laut Polizei mittlerweile außer Lebensgefahr. Bei einer Mahnwache wenige Tage später wurde der Opfer gedacht. „Wir lehnen jede Form der Gewalt ab. Rechte oder religiöse Ideologien verfolgen das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken“, sagte Julia Miosga vom CSD-Verein Berlin. „Wir benennen islamistischen Terror klar und ohne Relativierung.“ Aber ebenso klar müsse es sein, sich jedem Versuch entgegenzustellen, die Tat für Hass gegen Musliminnen und Muslime oder Menschen bestimmter Herkunft zu instrumentalisieren.

Zufall? In einem der Autos saß eine Frau mit Kopftuch.
Leider muss in diesen Zeiten mit einem islamistisch
motivierten Anschlag gerechnet werden, wie der Vorfall in
Berlin zeigt. Fotos: FoTe Press

Auf der gesamten Route des Hamburger CSD standen auffällig viele Streifenwagen und andere Fahrzeuge quer und versperrten somit die Zufahrt zur CSD-Parade. Ob kleine Seitenstraßen oder Zufahrten zu Parkhäusern oder Garagen. Darüber hinaus standen zahlreiche Kräfte mit Maschinenpistolen bereit.

Neben Polizistinnen und Polizisten aus Hamburg wurden auch Kräfte aus Niedersachsen und Thüringen gessehen. Auch die Bundespolizei war rund um den Hauptbahnhof präsent.

Die Polizei sicherte den Hamburger CSD erstmalig mit Maschinenpistolen.

Das Motto lautete in diesem Jahr „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“. Es wurde gemeinsam von Hamburg Pride-Mitgliedern und Vertreterinnen und Vertretern von queeren Vereinen und Netzwerken sowie von Parteien entwickelt. Die Ziele des Hamburg Pride und der CSD-Demonstrationen sind unter anderem eine Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes um die Merkmale „sexuelle und geschlechtliche Identität“. Die Forderungen können im Detail im Forderungskatalog von Hamburg Pride e.V. nachgelesen werden.


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