3.800 Schüler demonstrieren mit Greta für Klimaschutz

Greta Thunberg führte den Protestmarsch an und gab hinterher eine kurze Rede im Rahmen der „Fridays for Future“-Demonstration auf dem Rathausmarkt. Foto: FoTe-Press

(mr). Auch heute Morgen gingen wieder Tausende Schüler aus Norddeutschland in der Hamburger Innenstadt auf die Straße und demonstrierten somit für einen besseren Klimaschutz. Start war um 8.30 Uhr auf dem Gänsemarkt. An diesem Freitag wurde der Protestzug der „Fridays-for-Future“-Kundgebung von einer prominenten Unterstützerin angeführt: Greta Thunberg. Sie ist die 16-jährige schwedische Schülerin, die die Bewegung ins Rollen brachte. Da in Schweden gerade Ferien sind (in Hamburg ist ab Montag übrigens auch für zwei Wochen schulfrei), kam sie extra mit der Bahn aus Schweden angereist und führte den Protestzug vom Gänsemarkt zum Rathausmarkt an. Auf dem Gänsemarkt versammelten sich anfangs etwa 2.500 Schüler. Peu à peu kamen immer mehr Schulklassen hinzu, so dass in der Spitze sogar bis etwa 4.000 Teilnehmer dabei waren. Die Polizei sprach vor Ort von etwa 3.800 Teilnehmern.

Die Route führte vom Gänsemarkt über den Neuen Jungfernstieg, über die Lombardsbrücke, Glockengießerwall, Möneckebergstraße bis zum Rathausmarkt. Dort hielt Greta Thunberg, (wurde nach Auftritten auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz (Katowice) und beim Weltwirtschaftsforum in Davos weltberühmt) eine kurze Rede. Zuvor ging sie in das Rathaus, kam nach etwa 15 Minuten wieder heraus und ging auf eine kleine Bühne. Etwas schüchtern begrüßte sie mit einem „Moin“ die Demonstraten auf dem Rathausmarkt. „Wir werden weiter streiken, bis sie etwas unternehmen“, sagte Thunberg auf englisch an die Politiker und ergänzte: „Die Politiker haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht – wir schon. Wir werden weitermachen, bis sich etwas ändert.“
Danach verließ die 16-Jährige die Bühne unter tosendem Applaus. Viele Jugendliche riefen „Greta! Greta!“ Auch Unternehmer Frank Otto sprach ein paar Worte an die Protestler. Die Tausenden streikenden Schüler erhielten auch von dem deutschen Klimaforscher Mojib Latif Zuspruch. „Ich setze auf Euch.“

Unter den Teilnehmern war auch Nele Brebeck (19). „Die meisten Menschen sind der Auffassung, dass sie alleine nichts bewirken könnten. Also versuchen sie es gar nicht erst. Doch die Geschichte, die wir alle hier in diesem Moment erleben, beweist doch das komplette Gegenteil: Ein 15-jähriges Mädchen setzt sich vor das schwedische Parlament, um für mehr Klimaschutz die Schule zu bestreiken. Kaum ein halbes Jahr später, schließen sich Hunderttausende von Kindern und Jugendlichen weltweit diesem Mädchen an. Veränderung braucht immer jemanden, der den ersten Schritt wagt, ins kalte Wasser springt und nicht die Konsequenzen scheut. Wenn unsere Politik sich daran ein Beispiel nehmen würde, würden wir jetzt nicht vor dem Dilemma stehen, dass uns nur noch 11 Jahre bleiben, um den Klimakollaps zu verhindern. Das bedeutet im Zweifelsfall auch für eine Millionenstadt wie Hamburg, dass man zukünftig auf lokaler Ebene aktiver werden muss. Veränderung kann es nur dann geben, wenn einer den ersten Schritt geht“, sagt die Abiturientin.

Tim Linsel (16, Schüler), ergänzt: „Am meisten Angst habe ich vor dem Schuldgefühl, wenn die Klimakrise wie erwartet eintritt und ich dann merke, dass ich etwas gegen den Klimawandel hätte tun können, es aber nicht getan habe.“

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) schrieb zu der Demonstration auf seinem offiziellen Twitter-Account: „Ich freue mich, wenn sich junge Menschen für eine bessere Welt engagieren. Und am letzten Tag vor den Ferien, nun ja… Doch auf Dauer wirkt es wenig überzeugend, ausgerechnet in der Schulzeit zu demonstrieren. Niemand verbessert die Welt, indem er die Schule schwänzt.“

Im Innenstadtbereich kam es wegen der Proteste zwischen 8.30 und 11 Uhr zu längeren Staus. Die Polizei forderte Autofahrer auf, den Bereich weiträumig zu umfahren.