Großfeuer mit Explosionen auf der Veddel: Feuerwehr im Dauereinsatz

Großfeuer im Stadtteil Veddel: Die schwarze Rauchsäule ist kilometerweit zu sehen. Foto: FoTe Press

(mr). Ein Großfeuer hält aktuell sowohl Feuerwehr als auch Polizei in Atem. Insgesamt sind etwa 250 Einsatzkräfte rund um ein Firmengelände auf der Müggenburger Straße im Stadtteil Veddel im Einsatz. Seit Montagnachmittag, 15.30 Uhr, versuchen die Kräfte eine Lagerhalle zu löschen, in der sich nach Angaben der Feuerwehr mehrere Druckgasbehälter befinden. Aufgrund des Feuers kommt es immer wieder zu Explosionen.

Bereits beim Eintreffen des ersten Löschzugs der Wache 33 (Veddel) stand die Lagerhalle im Vollbrand. Sofort wurden weitere Kräfte alarmiert – bis zur Alarmstufe 5. Zwischenzeitlich stand auch eine angrenzende Lagerhalle im Vollbrand. Der Grund für den Brand war nach ersten Erkenntnissen offenbar ein Brand eines Autos, dass aus noch unbekannten Gründen in der Lagerhalle Feuer gefangen hatte.

Die Feuer- und Rettungswache Veddel. Foto: FoTe Press

Mehrere Gasflaschen sind aufgrund der enormen Hitze detoniert. In einem im Internet kursierenden Video ist eine Vielzahl von Explosionen zu sehen und zu hören. Die Autobahn 1, die nur wenige Hundert Meter vom Betriebsgelände entfernt verläuft, musste gesperrt werden. Grund: einzelne Metallteile wurden auf die Autobahn geschleudert und gefährdeten dort die Fahrzeugführer. Wie Sprecher der Feuerwehr vor Ort mitteilte, rückten 65 Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und 275 Feuerwehrleute an die Einsatzstelle – darunter auch Fahrzeuge der Flughafenfeuerwehr. Unterstützt werden die Kräfte der Feuerwehr auch von der Aurubis-Werkfeuerwehr und vom THW. Auch mehrere Wasserwerfer der Bereitschaftspolizei unterstützen aktuell die Löscharbeiten. Außerdem wurden zwei gepanzerte Fahrzeuge (Sonder-KW) der Polizei hinzugezogen. Sie sollten den Weg freiräumen und Personen aus Baucontainern im Gefahrenbereich retten. 25 Menschen wurden von Einsatzkräften der Feuerwehr und Polizei unverletzt gerettet.

Der Polizeihubschrauber „Libelle“ umkreiste während des Einsatzes das Gebiet. Die Elbe wurde von Kräften der Wasserschutzpolizei teilweise gesperrt – das betraf allerdings nur die Binnen- und Hafenschifffahrt für die Bereiche Norderelbe, Spreekanal und Peutekanal. Das Technische Hilfswerk rückte mit schweren Baggern und Lichtmasten an. THW und Feuerwehr werden voraussichtlich noch die ganze Nacht mit den Löscharbeiten beschäftigt sein. Erst danach können die polizeilichen Ermittlungen zur Brandursache beginnen. 

Zu Beeinträchtigungen kam es während des Einsatzes rund um die Feuerwache Veddel: sie wurde als Rückzugsort genutzt, damit Feuerwehrleute sich kurz erholen und wieder Kräfte sammeln können. Zudem wurden sie dort mit Essen und Getränken versorgt. Damit die zahlreichen Löschfahrzeuge und Leiterwagen einen Platz finden, wurde die Straße Am Zollhafen gesperrt. Aufgrund der Straßensperrungen rund um den Brandort, sowie der Sperrung der Autobahn 1 kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen unter anderem in den Stadtteil Hamm, Rothenburgsort, Veddel, Wilhelmsburg und Hammerbrook.


Die Feuerwehr Hamburg teilt in einer Mitteilung ergänzend mit: Am Montagnachmittag wurde der Rettungsleitstelle der Feuerwehr Hamburg ein brennendes Fahrzeug in einer Lagerhalle in der Müggenburger Straße in Hamburg-Veddel gemeldet. Als die ersten Einsatzkräfte an der Einsatzstelle eintrafen, explodierten bereits mehrere Druckgasbehälter in der Lagerhalle. Die Explosionen sowie die Brandintensität waren so stark, dass der Einsatzleiter sich nach einer ersten Evakuierung und der Rettung von Menschen für einen sofortigen Rückzug entschied. Zu diesem Zeitpunkt war bereits auf Grund zu hoher Gefährdung der Feuerwehrleute keine direkte Brandbekämpfung mehr möglich.

Durch die Explosionen der Druckgasflaschen wurden brennende Teile teilweise mehrere hundert Meter durch die Luft geschleudert und verursachten eine Vielzahl von weiteren Bränden. Nahegelegene Industrieflächen sowie angrenzende Nachbargebäude und Freiflächen wurden dadurch in Brand gesetzt. Auch die nahegelegene Bundesautobahn 1 musste auf Grund herabfallender Trümmerteile
mehrere Stunden voll gesperrt werden. Die Teile trafen dort vorbeifahrende Fahrzeuge, wobei eine Person verletzt wurde. Die Feuerwehr richtete einen Sperrbereich von 400 Meter ein und schickte mehrere Rettungsdiensteinheiten zur Versorgung Verletzter auf die BAB1.

Erste Erkundungsergebnisse ergaben, dass es sich bei den Druckgasbehältern um Lachgasflaschen handelte. Weitere unbekannte Gase konnten jedoch nicht ausgeschlossen werden. Um die Sicherheit der umliegenden Bevölkerung zu gewährleisten, schickte die Feuerwehr mehrere Messfahrzeuge zur Erkundung der Umgebung rund um die Einsatzstelle. Diese lieferten laufend Messwerte an die
Einsatzleitung vor Ort. Auf Grund der starken Rauchausbreitung Richtung Süd-Osten der Stadt wurde zusätzlich eine Bevölkerungswarnung über Warnapps und die Sozialen Medien herausgegeben. Personen in diesem Bereich wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Klima- und Lüftungsanlagen abzuschalten.

Da sich die Einsatzkräfte der Brandstelle nicht nähern konnten, wurde eine Erkundung durch Drohnen und den Polizeihubschrauber Libelle aus der Luft durchgeführt. Dadurch konnte sich die Einsatzleitung ein Gesamtbild der Lage machen und weitere Maßnahmen zur Schadensbekämpfung veranlassen.

Durch umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen im Gefahrenbereich konnten 25 Personen in Sicherheit gebracht werden. Acht von ihnen waren auf einem Parkplatzgelände eigeschlossen und konnten nur durch ein Boot über das Wasser in Sicherheit gebracht werden. Alle Personen wurden anschließend durch den Rettungsdienst Hamburg gesichtet und als unverletzt eingestuft. Insgesamt wurden drei Personen
verletzt, eine davon lebensbedrohlich und eine schwer. Sie wurden durch den Rettungsdienst in umliegende Kliniken gebracht. Die betroffenen und unverletzten Personen wurden durch das Kriseninterventionsteam (KIT) des Deutschen Roten Kreuzes betreut.

Die Feuerwehr bekämpfte zunächst die Feuer im Umfeld des Großbrandes. Die direkte Brandbekämpfung im Zentrum war weiterhin durch die gut zweieinhalb Stunden andauernden Explosionen weiterhin nicht möglich. Mit Flugfeldlöschfahrzeugen der Flughafenfeuerwehr Hamburg, mobilen Wasserwerfern der nahegelegenen Werkfeuerwehr Aurubis und durch Wasserwerfer der Polizei Hamburg konnte Schritt für Schritt trotz weiterhin andauernder Explosionsgefahr die Brandbekämpfung ausgeweitet werden und Brandherde im Inneren bekämpft werden. Der damit verbundene große Bedarf an Löschwasser stellte die
Einsatzkräfte vor eine weitere Herausforderung. Über lange Schlauchleitungen und über das Löschboot Prag wurden große Wassermengen an die Einsatzstelle gepumpt.

Zur übergeordneten Koordinierung der Einsatzkräfte wurde zwischenzeitlich bei der Polizei und der Feuerwehr ein Führungsstab einberufen. Das Technische Hilfswerk (THW) unterstützte zusätzlich mit einem Virtual Operations Support Team (VOST) das Monitoring der Sozialen Medien.

Das Technische Hilfswerk stellte zudem mit mehreren Einsatzkräften die Lichtversorgung an der Einsatzstelle sicher. In den frühen Morgenstunden ist zudem ein Teilabriss des betroffenen Gebäudes durch THW-Radlader und -Bagger geplant, um gezielt Löschmaßnahmen durchführen zu können.

Das Dach der Lagerhalle war bereits vor Mitternacht durch den Vollbrand des Gebäudes eingestürzt. Im angrenzend Containerlager explodierten immer wieder vereinzelt Druckgasbehälter. Durch die Explosionen weggeschleuderte Trümmer beschädigten mehrere Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. Bei einer Drehleiter durchschlugen Teile das Dach des Fahrzeugs. Einsatzkräfte wurden nicht verletzt.

Die Löscharbeiten waren bei der Veröffentlichung der Pressemitteilung weiterhin im Gange und werden bis in den nächsten Tag andauern. Die Feuerwehr und der Rettungsdienst Hamburg waren zu diesem Zeitpunkt mit über 320 Einsatzkräften im Einsatz.


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