(mr). Geheime Filmarbeiten am Pelzerhaken Strand in Neustadt in Holstein.Während oben auf der Promenade zahlreiche Technik-LKW für Kamera, Licht, Ton, Ausstattung und Stromerzeugung für Aufmerksamkeit bei den vielen Passanten sorgen, wird unten am Strand heimlich gedreht. Es sind Filmarbeiten zur neuen ZDF/BBC-Serie „Hamburg Days“, die über die Anfänge der legendären Beatles im Hamburger Stadtteil St. Pauli handelt. Seit Mai ist das Filmteam auf St. Pauli zugange, hat mehrere Originalschauplätze wie den Kaiserkeller, den Top Ten Club und das Indra mit Holzkulissen nachgebaut. Dabei ist die Filmcrew kreativ: beispielsweise wurde die berüchtigte Große Freiheit in der in der Nähe befindlichen Friedrichstraße mit den berühmten Locations Tabu und der Bikinibar im Look der 60er Jahre wieder zum Leben erweckt. Ein Insider verrät: die Friedrichstraße ähnelt der Großen Freiheit und sie hat Kopfsteinpflaster, wie sie die Große Freiheit in den 60er Jahren auch hatte.

Schauspieler. Rechts ist die Filmcrew zu sehen. Hochwertige Technik ist durch ein
schwarzes Zelt vor starkem Wind geschützt. Fotos: FoTe Press
Es sind auch schon zahlreiche Szenen im Kasten – dann der Schock: Nach dem plötzlichen Tod der Hauptdarstellerin Luna Jordan wurden die Filmarbeiten unterbrochen.
Nun wurde offenbar Ersatz gefunden, der anstelle von Luna Jordan die Rolle der Astrid Kirchherr vor der Kamera steht. Sie war die Fotografin der Beatles und gilt als Erfinderin der typischen Pilzkopffrisur. Ihre Fotos sind weltweit in Buchveröffentlichungen zu finden. In den weiteren Hauptrollen spielen Rhys Mannion als John Lennon, der Liverpooler Singer-Songwriter Ellis Murphy als Paul McCartney, Harvey Brett als George Harrison, Louis Landau als Stu Sutcliffe, Patrick Gilmore als Pete Best, Casper von Bülow als Klaus Voormann. In weiteren Rollen sind Laura Tonke Trystan Pütter sowie Max von der Groeben zu sehen.

gedreht. Auf dem Foto gut zu erkennen: ein Kameramann filmt
die beiden Schauspieler, während ein weiteres Crewmitglied
den Ton angelt.
Montag rückte das Filmteam vom Hamburger Heiligengeistfeld (hier steht aktuell die Basis während der Filmarbeiten mit mehreren Aufenthaltsmobilen, Cateringwagen, Zelten für Komparsen und Filmcrew) nach Neustadt an. Auf dem öffentlichen Parkplatz P13 stellte die Filmcrew einen Teil der Fahrzeuge aus den Bereichen Aufenthalt, Maske, Kostüm und beispielsweise Catering ab. Weitere Fahrzeuge aus dem Bereich Technik parkten direkt auf der Promenade in Nähe des eigentlichen Drehorts, der etwa 300 Meter vom Parkplatz entfernt war. Passanten hatten es schwer, die Filmarbeiten zu beobachten. Etwa 100 Meter vom Filmset entfernt waren Filmblocker positioniert, die die Zaungäste auf Abstand hielten. Schauspieler und Filmcrew wurden mit Shutllebussen hin und her gefahren.

Mit zwei Kameras und zwei Filmklappen wurde ab etwa 13 Uhr am Strand gedreht. Was genau? Darüber hüllt sich die Filmcrew im Schweigen. Selbst Fotoaufnahmen wollte die Filmcrew verhindern. Gegen 12.30 Uhr, also noch bevor die Filmcrew mit den Filmarbeiten anfing, wurde ein Streifenwagen gerufen. Die Polizei zeigte der Filmcrew ihre Grenzen auf und wies sie zurecht, dass Berichterstattung erlaubt ist. Damit nicht genug: auch die Stadt Neustadt kuscht offenbar vor der Filmcrew. Ein Mitarbeiter verbot einem Medienvertreter auf der Promenade zu fotografieren – obwohl sie für jedermann frei zugänglich war. Für Ärgernis sorgte auch die Tatsache, dass die Filmemacher durch einen geschützten Dünenbereich gehen durfte, obwohl sich wenige Meter entfernt befestigte Überwege zum Strand befinden. Mehrere Passanten schüttelten nur den Kopf und sagten: Tut das Not?“ Montagabend rückte die Filmcrew wieder nach Hamburg ab.

stehen auf der Rasenfläche.
Die Filmförderung Moin unterstützt das Serienprojekt mit 1,3 Millionen Euro. In dieser Woche stehen wieder Aufnahmen in Hamburg an. Es werden Aufnahmen im nachgebauten Kaiserkeller an der Seilerstraße gedreht. Die sechsteilige Dramaserie von Showrunner Christian Schwochow („The Crown”, „Bad Banks“) und Headautor Jamie Carragher („Succession“) basiert auf Teilen der Autobiografie des deutschen Musikers & Künstlers Klaus Voormann und erzählt von den frühen Jahren der Beatles und der prägenden Hamburger Zeit, in der sich die später weltberühmte Band erst formte. Die Dreharbeiten finden in den kommenden Wochen neben Hamburg auch in München und Liverpool statt.

Pressevertreter vom Drehort fern zu halten. Ein Mitarbeiter
der Stadt Neustadt in Holstein schickt einen Reporter weg.

um ihre schwere Technik zum Strandabschnitt zu bringen.
Kurios: nur wenige Meter entfernt befinden sich mehrere befestigte Überwege zum Strand. Tut es Not, dass die
Filmcrew durch die Dünen gehen muss? Überall hängen Schilder mit der Aufschrift: „Betreten verboten“. Wieso hat die Filmcrew hier eine Ausnahme erhalten?

Meinung: Wenn eine Filmcrew nicht möchte, dass Journalisten und Pressefotografen über Filmarbeiten berichten, müssen sie entweder Sichtschutzwände aufbauen, an noch abgelegenderen Plätzen in der Öffentlichkeit drehen, sich ein abgeschirmtes Privatgelände suchen, in einem Fernsehstudio filmen oder schlicht und einfach damit leben, dass Reporter am Filmset auftauchen. So ist die Rechtslage. Dank der Pressefreiheit. Denn vom öffentlichen Grund dürfen Medienvetreter über zeitgeschichtliche Ereignisse berichten. Peinlich, dass die Filmcrew offenbar nicht geschulte Sicherheitsmitarbeiter beschäftigt, die die Polizei rufen und somit Einsatzkräfte der Polizei unnötig beschäftigen. Gut ausgebildete Aufnahme-, Produktions- oder Herstellungsleiter sollten es wissen, dass es in Deutschland Pressefreiheit gibt.
Apropos peinlich: dass ein städtischer Mitarbeiter von Neustadt in Holstein Partei ergreift und einen Presseverteter vom Drehort wegschickt, ist sehr peinlich. Der Reporter hat sich nach eigenen Angaben dort aufgehalten, wo auch „normale“ Passanten entlang laufen durften: auf der Promenade. Er hat weder die Filmarbeiten (die waren unten am Strand), noch die Abläufe oben an der Promenade gestört. Vor allem: er hat nichts Verbotenes gemacht. Dies würde einen „Platzverweis“ (den Mitarbeiter von Polizei oder Ordnungsamt erteilen könnten) rechtfertigen. Er hat nur fotografiert – vom öffentlich, für jedermann zugänglichen Bereich.
Der Mitarbeiter der Stadt hat vor der Filmproduktion gekuscht. „Sie sind negativ aufgefallen. Die Filmproduktion möchte nicht, dass hier fotografiert wird“, sagte er dem Pressevetreter. Damit die Polizei kein zweites Mal ausrückt, knickte der Reporter ein. Zumal er vom Filmdreh sowieso nichts von der Promenade aus mitbekommen hat. Er wollte lediglich ein paar Technik-LKW ablichten – und dies hat er ja, wie oben zu sehen ist.
