Ärger mit Pfandbon bei Discounter in Hamm

Die Lidl-Filiale im Hamburger Stadtteil Hamm. Foto: FoTe Press

(mr). Das leidige Thema Pfandbon. Wie oft hat Ihre Hamburger Allgemeine Rundschau schon darĂŒber berichtet, dass Kunden an der Kasse abserviert werden, weil sie einen Bon aus vergangenen Wochen, Monaten oder gar Jahren abgeben und quasi um ihr Pfandgeld geprellt werden. KĂŒrzlich ist es wieder zu so einem Vorfall gekommen. Der Ort: Die Lidl-Filiale am HĂŒbbesweg im Stadtteil Hamm.

Bon aus Februar 2020 in Geldbörse gefunden

„In meiner Geldbörse hatte ich noch einen Pfandbon vom Februar 2020. Der Kassierer sagte mir, dass er nicht mehr gĂŒltig sei“, sagt Ulf Thießen (Name geĂ€ndert). Der Kunde bleibt hartnĂ€ckig, klĂ€rt den VerkĂ€ufer auf und sagt, dass er drei Kalenderjahre Zeit habe, den Pfandbon in der Filiale einzulösen. Einzige Bedingung: der Pfanbon muss lesbar sein, darf also nicht durch Sonnenlicht verblichen sein. Es nĂŒtzt nichts, der VerkĂ€ufer bleibt hart und nimmt den Bon nicht an.

Der Kassierer klingelt, der stellvertretende Filialleiter wird gerufen und kommt zur Kasse. Die Kunden wollen ins Wochenende – die sind froh, wenn sie wieder mit ihrem Einkauf draußen sind. Ulf Thießen nimmt allerdinfs den Kassiere in Schutz: „Nicht jeder Kassierer kennt sich mit dieser GrundsĂ€tzlichkeit aus. Es arbeiten dort auch zum Teil Minijobber.“

Nun dachte er sich, kommt der Filialleiter oder sein Stellvertreter. Der wird dem Kassierer jetzt sicherlich sagen, wie es rechtlich aussieht und wird anstandslos den Pfandbon manuell eintippen. In sĂ€mtlichen Stellenangeboten als Filialleiter von Lidl heißt es schließlich zu den Voraussetzungen: „Abgeschlossene kaufmĂ€nnische oder gewerbliche Ausbildung sowie Erfahrung im Lebensmitteleinzelhandel„.

Gib den Bon manuell ein, damit der Kunde glĂŒcklich ist”

„WĂ€hrend der Ausbildung lernt man so etwas ja gleich in den ersten Stunden in der Berufsfachschule“, denkt sich Ulf Thießen. Falsch gedacht. Der stellvertretende Filialleiter sagt ebenfalls, dass der Pfandbon innerhalb von vier Wochen eingelöst werden mĂŒsse und der somit nicht mehr gĂŒltig ist.

“Gib den Bon manuell ein, damit der Kunde glĂŒcklich ist”, sagt er zu dem Kassierer. “Sie brauchen gar nicht zu versuchen, mit mir zu diskutieren. Ich weiß, dass der Bon abgelaufen ist. Da können Sie auch googeln wie Sie wollen”, sagt der stellvertretende Filialleiter lapidar zum Kunden. Diese Aussage ist natĂŒrlich falsch.  

Bon ist drei Kalenderjahre gĂŒltig

Ein Pfandbon ist drei Jahre (Kalenderjahre!!!) gĂŒltig §195 BGB in Verbindung mit §199. Sollten Sie laut Ihrer individuellen AGB diese Frist verkĂŒrzen, was keinen dauerhaften Bestand hĂ€tte, so mĂŒsste es auf dem Bon stehen mit der Frist. Oder an dem Automaten mĂŒsste ein solcher Vermerk stehen.

Lidl ist gesetzlich dazu verpflichtet, Pfandbons in diesem Zeitraum anzunehmen. Warum klappt es in der Filiale am HĂŒbbesweg nicht?

„Kundenzufriedenheit steht fĂŒr uns an oberster Stelle. Daher erhalten unsere Kunden den Pfandbetrag immer ausbezahlt, auch wenn der Pfandbon zu einem spĂ€teren Zeitpunkt eingelöst werden sollte“, teilt Isabel Lehmann, Pressestelle Lidl Deutschland mit und erklĂ€rt auch gleich, warum ein Bon nicht einfach so an der Kasse abgezogen werden kann. „Aus abrechnungstechnischen GrĂŒnden wird der Pfandbon innerhalb von 60 Tagen (dies ist die ĂŒbliche Einlösedauer) im Kassensystem vorgehalten. Ist der Pfandbon Ă€lter, wird nach der Eingabe eine Fehlermeldung an der Kasse angezeigt. In diesem Fall fĂŒhrt unser Filialpersonal das Auszahlen des Pfandbetrages manuell aus“, teilt Isabel Lehmann weiter mit.
In einem weiteren Schreiben des Unternehmens heißt es: „Unsere Mitarbeiter aus der betroffenen Filiale wurden bereits nachgeschult und wĂŒrden sich gerne persönlich fĂŒr die Unannehmlichkeiten bei Ihrem nĂ€chsten Besuch in unserer Filiale entschuldigen.“


Sie haben auch Ärger mit Behörden oder einem GeschĂ€ft? Wir helfen, diese FĂ€lle publik zu machen. Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf: redaktion@hamburger-allgemeine.de.


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