Nach Anschlag in Straßburg: So sichert Hamburg seine WeihnachtsmĂ€rkte

Mit diesen rot-weiß-gestrichenen Betonklötzen sollen in der Mönckebergstraße mögliche TerroranschlĂ€ge mit Lkw oder Pkw verhindert werden. Foto: Röhe

(np). Nach dem Terroranschlag auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt, bei dem nach aktuellen Angaben drei Menschen ums Leben kamen (eine weitere Person wurde fĂŒr hirntot erklĂ€rt), steigt auch in Hamburg die Angst vor einem solchen Anschlag. 

Von friedlichen Weihnachten kann in diesen Tagen wohl eher nicht die Rede sein. Wer aufmerksam durch die Hansestadt geht, sieht zum Teil monströse Betonklötze, mehrere Liter umfassende Wassertanks, quergestellte Lkw und zum Teil mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten. 

– Das alles sind nur sichtbare Maßnahmen gegen mögliche TerroranschlĂ€ge auf Hamburgs WeihnachtsmĂ€rkte. Zwei Jahre nach dem ersten und bislang einzigen Lkw-Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz (19. Dezember 2016) mit zwölf Toten sollen in diesem Jahr, wie bereits auch schon vergangenes Jahr, die mehr als 20 Hamburger WeihnachtsmĂ€rkte intensiv geschĂŒtzt werden.
Von Seiten der Polizei heißt es, dass die Sicherheitsbehörden stĂ€ndig die aktuelle Lage bewerteten und sich die Maßnahmen grundsĂ€tzlich an den hohen Vorkehrungen der vergangenen Saison orientierten. Sprich: Offenbar wird in Hamburg jederzeit mit einem Anschlag gerechnet. Dies geht auch aus einer Antwort des Hamburger Senats auf eine Kleine Anfrage vom 20.9.2017 von Detlef Ehlebracht (AfD) mit. â€žFĂŒr Hamburg besteht eine anhaltend hohe abstrakte Gefahr terroristischer AnschlĂ€ge, die sich jederzeit konkretisieren kann. Dabei kann jeder Ort, an dem Menschen in grĂ¶ĂŸerer Anzahl anzutreffen sind, potenzielles Ziel eines Anschlages sein“, heißt es in dem Schreiben.

Eine Sicherung mit festen Schutzvorkehrungen sei aufgrund der Vielzahl und der HeterogenitĂ€t potenzieller Anschlagsorte nicht realisierbar. In naher Zukunft werde aber geprĂŒft, ob fĂŒr den stark frequentieren Veranstaltungsraumsraum Heiligengeistfeld der Einsatz von hydraulischen Polleranlagen sinnvoll ist.
Um den Transportaufwand und die Kosten zu verringern, werde derzeit geprĂŒft, an welchen Stellen eine dauerhafte Installation von technischen Sperren möglich und sinnvoll ist, heißt es weiter in der Antwort. Wer Veranstaltungen wie den Hafengeburtstag, das AlstervergnĂŒgen, den Dom, die Cruise Days, den Disco-Move oder beispielsweise den Schlagermove besuchen möchte, wird wohl weiterhin an meterlangen ZĂ€unen, schweren Betonklötzen, Wassertanks, mobilen zaunartigen Fahrzeugbarrieren oder auf der Fahrbahn quer stehenden LKW vorbei gehen. An vielen EingĂ€ngen stehen meist schwer bewaffnete Polizisten oder Personen von privaten Sicherheitsdiensten.

Seit dem islamistischen Weihnachtsmarkt-Anschlag in Berlin Ende 2016, bei dem ein Mann mit einem zuvor gestohlenen LKW mutwillig in eine Menschenmenge gerast ist und mehrere Passanten tötete, steht die Sicherheit bei Großereignissen im Mittelpunkt – auch bei uns in Hamburg. Damit solche AnschlĂ€ge verhindert werden, wurden seit dem Anschlag im Dezember 2016 mehrere Dutzend Events gesichert – in einem Ausmaß, wie es die Hansestadt noch nie zuvor erlebt hat.
Vor allem hat die zusĂ€tzliche Sicherheit ihren Preis: „Die Kosten der Sicherungsmaßnahmen trĂ€gt der Veranstalter. Soweit die Stadt Hamburg als Veranstalter auftritt, sind die entstehenden Kosten von der Stadt zu tragen“, heißt es als Antwort des Senats auf die Kleine Anfrage.
Bei Großveranstaltungen werde regelhaft ein umfassendes und individuelles Sicherheitskonzept mit dem Veranstalter abgestimmt, bei dessen Erstellung die Polizei und BezirksĂ€mter mitwirken. Verantwortlich fĂŒr die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes sei der Veranstalter; er trĂ€gt auch die entstandenen Kosten.

Bei Großveranstaltungen privater TrĂ€ger erfolge eine polizeiliche ÜberprĂŒfung des abgestimmten Sicherheitskonzeptes und damit auch der aufgestellten Absperrungen im Rahmen des Einsatzgeschehens. Soweit eine behördliche Aufstellung erfolgt, werde diese durch die Behörde fĂŒr Inneres und Sport beziehungsweise durch die Behörde fĂŒr Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) als Ausrichter ĂŒberwacht.
In Rede stehende technische Absperrungen werden auf allen grĂ¶ĂŸeren Veranstaltungen seit Dezember 2016 eingesetzt. Je nach gefĂ€hrdeten Zufahrtsmöglichkeiten und Anforderungen an die ZugĂ€nglichkeit werden bewegliche Barrieren unter anderem in Form von Fahrzeugen, gefĂŒllten Wassertanks, Big Bags (Schwerlast-GewebesĂ€cke mit 1 mÂł Fassungsvermögen), stationĂ€re Betonquader (sogenannte Betonschweine), oder Betonquader, die mit abnehmbaren, schweren Drahtseilen verbunden sind, eingesetzt. 

Sprich: jeder Veranstalter, der zusĂ€tzlich Gabelstapler oder KrĂ€ne ordern und damit Betonklötze, Wassertanks, ZĂ€une oder Betonstein-Drahtseil-Kombinationen aufstellen muss, hat zunĂ€chst höhere Kosten. Diese wird er frĂŒher oder spĂ€ter auf die StandgebĂŒhr oder eventuelle Eintrittsgelder aufschlagen, die wiederum letztendlich auf den Besucher abgewĂ€lzt werden. 

„Schlimm genug, dass wir unsere WeihnachtsmĂ€rkte mit Polizei und Betonpollern in Festungen verwandeln mĂŒssen. Ausreichend ist diese Maßnahme trotzdem nicht. Die islamischen Extremisten haben uns und unserer Art zu leben den Krieg erklĂ€rt.
Dass sie auch in Hamburg so zahlreich sind, ist die Folge einer selbstzerstörerischen Einwanderungspolitik. Da helfen weder ‚interkulturelle Projekte‘  noch eine Laissez-Faire-Politik gegen den politischen Islam und seinen extremistischen AusprĂ€gungen. Nötig ist ein konsequentes Vorgehen gegen die Szene. Die AfD fordert das schon lange, und wer ihr jetzt vorwirft, dass Attentat zu instrumentalisieren, macht sich selbst zum UnterstĂŒtzer des Terrors, denn er will verhindern, dass die Ursachen offen benannt werden“, sagt der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion in der Hamburgischen BĂŒrgerschaft Dirk Nockemann. 

Übrigens: kurioserweise stehen auf einigen Betonklötzen (Beispiel Weihnachtsmarkt Jungfernstieg) die Buchstaben RSW. NatĂŒrlich deuten sie auf das Unternehmen hin, welches die Betonbarrieren zur VerfĂŒgung stellt. Passenderweise könnte es aber auch ein Akronym sein und „Richtig Sicherer Weihnachtsmarkt“ bedeuten. In diesem Sinne eine friedliche vorweihnachtliche Zeit…


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